Bei Seminaren, Trainings oder Workshops beobachten wir oft andere Teams bei der Arbeit. Man sieht einen hochfokussierten Hund, der sich von nichts ablenken lässt, und ein Team, das scheinbar mühelos den Trail bis zum Fund ausarbeitet. Das ist ein Bild, wovon sich jeder engagierter Mantrailer wünscht, so mit seinem Hund auszusehen. Was dabei leicht in Vergessenheit gerät: Solche Bilder sind das Ergebnis unzähliger dem Leistungsstand entsprechender Trainingsstunden. Wichtiger Bestandteil des Trainings sind diejenigen Personen, welche einen Trail legen (nach den Vorgaben des HF oder Trainers, eigenständige Veränderungen im Trailverlauf sind inakzeptable und dem Testverfahren Double Blind vorbehalten) und oft auch reale Einsätze, die Mensch und Hund über Jahre hinweg geformt haben. 

Dennoch verfällt man schnell in die Versuchung, genau diese Arbeitsweise kopieren zu wollen, was letztendlich dazu führt, dass das Leistungsvermögen und der Anspruch der Organisationen oder des Hundeführers zu einer Überforderung des Hundes führt, welches letztendlich zu einer Demotivation des Hundes führt. Denn was bei einem Team perfekt funktioniert, (auf Grund eines wohlüberlegten Trainingsaufbaus) kann bei einem anderen zu Leistungseinbrüchen führen. Häufig wird dann sogar noch intensiver versucht, die Methode zu imitieren: Wie hält der Hundeführer die Leine? Welches Geschirr trägt der Hund? In welchen Momenten wird wie kommuniziert? Viele gut veranlagte Hunde werden durch den übersteigerten Ehrgeiz der Hundeführer oder Organisationen ruiniert.

Doch das reine Kopieren eines Stils bringt selten die gewünschten Ergebnisse. Ein erfolgreicher Trainingsaufbau ohne Anleitung eines erfahrenen Ausbilders ist so gut wie nicht realistisch!

Ein Leitsatz, der mich in der Arbeit mit meinen eigenen Hunden immer begleitet hat, lautet: „Schau, was bei anderen funktioniert – und entscheide dann bewusst, ob es zu meinem Hund passen könnte.“

Ich erinnere mich an einen hervorragenden Bloodhound-Polizeihundeführer in den USA. Es war beeindruckend ihm und seiner Hündin Bella zuzusehen. Sie arbeiteten an einer relativ kurzen Leine von etwa 3–4 Metern, in einem zügigen, flüssigen Tempo – konzentriert, triebvoll und harmonisch. Bella korrigierte sich meistens schnell selbst, ohne dass der Hundeführer eingreifen musste. Von außen wirkte es fast so, als würde er nur hinterherlaufen, doch in Wahrheit war es eine fein abgestimmte Teamarbeit der Beiden, gepaart mit fachlichem Wissen und der Zusammenarbeit mit anderen erfahrenen Hundeführern.

Es wäre leicht gewesen, diese Arbeitsweise einfach zu kopieren. Doch für mich und meinen Hund hätte diese Arbeitsweise nicht funktioniert.
Meine Hündin bevorzugte einen größeren Radius einer 5–10-Meter-Leine. Sie nutzte und brauchte diesen Raum, um Abgänge und Kreuzungen sicher zu prüfen und sich weitgehend selbst zu korrigieren. Wenn nötig, konnte ich die Leine kürzer nehmen sogar bis auf 1-2m – aber ihre Arbeitsfreude, Motivation und Leistungsfähigkeit waren mit mehr Freiraum deutlich höher.

Und ganz ehrlich: Für uns beide war es körperlich angenehmer, wenn ich nicht permanent „am Heck“ des Hundes klebte. Sie wollte schließlich immer vor mir am Ziel sein – Streicheleinheiten und Leckerchen gibt es schließlich für den, der zuerst ankommt. Nur weil ein Team ein beeindruckendes Bild abliefert, lässt sich diese Arbeitsweise nicht automatisch auf jeden Hund und Hundeführer übertragen.
Denn:

  • Manche Hundeführer kommen mit einer 10-Meter-Leine überhaupt nicht zurecht. Was allerdings eine Frage des regelmäßigen Trainings und der Einsicht auf die Vorzüge braucht.

  • Manche Hunde laufen mit einem bestimmten Geschirr deutlich besser als mit einem anderen. Geschirre sollten allerdings immer so beschaffen sein das der Zug über die Brust erfolgt ohne den Hund die Luft zu nehmen.

  • Hunde sollten klare, auch strengere Korrekturen gut verarbeiten können, um in diesem Bereich ausgebildet zu werden.

  • Manchen Hunde sind durchgehendes oder zu viel Gerede ihrer Hundeführer egal – andere werden durch zu viel „Gequatsche“ sofort aus der Arbeit gerissen.


Es gibt kein Schema F in der Ausbildung – weder in Unterordnung noch in Fährte, Flächensuche oder Mantrailing. Ein Trainingsstil lässt sich nicht 1:1 kopieren, weil Hund und Mensch immer einzigartige Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Voraussetzungen sind. Jedes Team ist individuell, sollte so trainiert und ausgebildet werden. 

Bevor ihr etwas übernehmt, das ihr bei einem anderen Team gesehen habt, stellt euch ehrlich die Frage:
„Ist diese Arbeitsweise für uns als Team – und insbesondere für meinen Hund – wirklich sinnvoll?“

Wenn die Antwort Ja lautet: ausprobieren!
Doch scheut euch nicht, eine Methode wieder zu verwerfen, wenn sie mittel- oder langfristig bei euch nicht funktioniert. Von entscheidender Bedeutung ist jedoch das der Hund mit Finderwillen ausgestattet willens ist ohne wesentliche Hilfen dem Geruch zu Folgen und Klare Signale zu geben. Was allerdings nicht bedeutet, alle 4 Wochen immer wieder etwas neues auszuprobieren. In der IT gibt es eine zutreffende Redewendung "Don't touch a running system" - Fasse nichts an, dass funktioniert.

Wenn ihr Zweifel habt, ob diese Arbeitsweise für euch funktioniert, bleibt bei eurem bisherigen System – und holt euch in regelmäßigen Abständen Rat bei einem professionellen Ausbilder.

In unseren Seminaren bitten wir euch manchmal, euch auf unsere Arbeitsweise einzulassen. Dabei verfolgen wir jedoch nicht das Ziel, funktionierende Bestandteile eures aktuellen Systems zu verändern – was bei euch gut läuft, soll selbstverständlich bestehen bleiben. Unser Anliegen ist es vielmehr, eure bestehende Arbeitsweise zu optimieren und eventuelle Fehler gemeinsam zu erkennen und Wege aufzuzeigen, wie man diese korrigieren kann.
Um nachvollziehbar zu machen, was wir damit meinen, zeigen wir euch bestimmte Aspekte oft anhand anderer arbeitender Teams. So bekommt ihr ein klares Bild davon, welche Entwicklungsschritte wir uns für euch vorstellen und wie eure zukünftige Arbeit als Team mit eurem Hund aussehen kann.

Trotz aller Hinweise, Tipps und Anregungen gilt jedoch eines: Die Umsetzung und die damit verbundene Fleißarbeit liegen bei euch. Kein Trainer kann euch diese Schritte abnehmen – sie entscheiden letztlich über euren Fortschritt als Team.

Autor: Susanne Badura

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