„Wie alt darf ein Trail sein? 

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Erfolg hängt von den Erfahrungen sowie dem Ausbildungsstand des Teams sowie den vorherrschenden Umweltbedingungen ab: Frost, Regen und die Bodenbeschaffenheit beeinflussen die Spur maßgeblich. Das Kernproblem: Wir wissen bis heute nicht genau, was Hunde riechen. Sind es Hautschuppen, Fette, Atempartikel oder Zersetzungsgase der Partikel? 

Wir wissen es einfach nicht, die Hunde werden es uns nicht verraten. 

Unsere einzige Option ist das Austesten von Leistungsgrenzen unter verschiedensten Bedingungen – und zwar mit radikaler Ehrlichkeit. Doch genau hier liegt unsere Schwachstelle. Aus dem verständlichen Wunsch heraus, erfolgreich zu sein, blenden viele Teams eigene (unbewusste) Hilfestellungen aus. In Ausbildungsberichten (wenn sie denn geführt werden) lesen wir so manches mal von ‚selbstständiger Arbeit des Hundes‘, wo eigentlich der Hundeführer (unbewusst) gelenkt hat oder bewusst eine Hilfestellung gegeben hat. An diesem Punkt betrügen wir uns oftmals selber.

Es ist allerdings der Falsche Weg, markierte Trails oder Single Blind Trails zu verdammen oder als nicht aussagekräftig einzustufen. Uns geht es daher oftmals im Training mit den eigenen oder Gast Teams um das Thema Sensibilisierung für diese Hilfestellungen. Denn wer sich selbst gut reflektieren kann, erlernt eine Fähigkeit, die ihm im Training und im Einsatz helfen kann. Denn nur wer erkennt, wann er ggf. Hilfestellung gegeben hat und damit unter Umständen den Hund von einer richtigen Spur abgebracht hat, kann diese "unbewussten" Einflussnahmen auch im Einsatz erkennen. Ein Double-Blind-Test ist hierbei kein Allheilmittel – er deckt zwar Schwächen auf, kann aber durch Zufallserfolge (‚Ghost-Trails und Zufallsfund‘) eine falsche Sicherheit vorgaukeln. 

Zurück zum Thema "Alter der Trails", Erfahrungen aus Einsätzen in Deutschland zeigen, dass bestimmte Teams durchaus in der Lage waren, Trails zuarbeiten, die bis zu 14 Tage alt waren. Solche Leistungen setzen jedoch eine hervorragende Ausbildung, langjährige Einsatzerfahrung und sehr gute Kenntnisse die Leistungsfähigkeit des Hundes betreffend voraus. Ein entscheidender Faktor für diesen Erfolg war allerdings auch die Einschätzungsgabe des Hundeführers: Er war in der Lage genau zu erkennen, wann sein Hund an seine Grenzen stößt und er scheute sich nie davor, einen Trail dann abzubrechen, wenn der Hund nicht in der Lage war, diesen selbstständig auszuarbeiten. (Hier ist nicht die Ausbildungsphase gemeint.) Diese Hündin lief allerdings keine Ghost-Trails, sie zeigte sauber und zuverlässig an, wenn sie keine Spur mehr zu verfolgen hatte.

Kann jedes Team dieses Trailalter bewältigen. Die klare Antwort ist: sicher nicht! Könnte ich es mit meiner derzeitigen Bloodhound Hündin? Nein. Ich hätte es auch mit keinem meiner vorherigen Hunde versucht, da ich realistisch einschätze, dass wir uns mit dieser Aufgabe übernommen hätten. Unter optimalen Bedingungen gibt es Teams, die dazu in der Lage sind – doch sie bleiben die Ausnahme, nicht die Regel.

 

Um Rufschädigungen von einzelnen Teams, wie sie gerade durch die Presse gehen, entgegenzutreten, müssen wir wieder zurück zur Ehrlichkeit finden. Mantrailing ist kein - älter, länger, besser als andere. Wenn wir unsere eigenen Leistungsgrenzen wieder akzeptieren und dies anderen gegenüber vertreten, dann werden wir Respekt für die Arbeit im Mantrailing ernten können.  Können wir jeden Trail erfolgreich ausarbeiten? Nein. Es wird immer wieder Trails geben, die wir nicht beenden können, wo der Start nicht funktioniert. 

Denn unsere Hunde sind keine Maschinen, die auf Knopfdruck funktionieren. Wir als Hundeführer werden nicht immer den Tag haben, 100% Leistung abzuliefern. Doch durch eine fundierte Ausbildung entwickeln wir Teams, in denen der Hund ein ehrliches Feedback gibt: Er zeigt uns unmissverständlich, ob er die Spur noch ausarbeiten kann oder nicht. Wahre Professionalität zeigt sich nicht im Ankommen um jeden Preis, sondern im Mut zum rechtzeitigen Abbruch oder im Nein des Hundeführers zu einem Einsatz.